Was ? Angeln ist kein Sport ? Das kann nur jemand sagen, der noch nie früh um 3:00 Uhr aufgestanden ist, der noch nie die Technik der verschiedenen Würfe trainiert hat, der noch nie seine Geschicklichkeit beim Haken einbinden oder Entwirren von perückengroßen Schnurverfitzungen beweisen musste, der noch nie einen einstündigen Drill eines schweren Fisches nervlich und körperlich überstanden hat und der noch nie an heftiger Seekrankheit beim Hochseeangeln gelitten hat. Ja, alle diese Herausforderungen muss ein richtiger Angler gemeistert haben, bevor er sich einen solchen nennen darf.
Nachdem wir uns jetzt einig sind, dass Angeln sehr wohl ein Sport ist, wollen wie einmal sehen, wohin ein Angler reisen kann, um andere Reviere kennen zu lernen. Bleiben wir für heut in Deutschland und wählen wir den Spreewald als Reise- und Angelziel aus. In diesem fast 3000 km² großen Gebiet teilt sich die Spree in ihrem Mittellauf in 300 natürliche Arme auf und läßt so ein weitläufiges Netz von Fließen und Seitenarmen entstehen, das zu Fuß nicht zu erkunden ist, geschweige denn mit einem Auto. Wir sind also gut beraten, wenn wir uns ein Boot mieten. Auf einen Außenbordmotor verzichten wir, da wir ja sportlich bleiben wollen. Ein Faltboot ist hier das Mittel der Wahl. Da mir noch kein Navigationssystem für das Labyrinth der Wasserläufe im Spreewald bekannt ist, muss der Angler auch Karten lesen können und seine Orientierungsfähigkeit mit dem Kompass unter Beweis stellen.
Wer die Reviere im Spreewald nicht kennt, kann natürlich munter drauflos paddeln und sich auf sein anglerisches Gespür verlassen. Einmal fündig geworden, sollte er nicht enttäuscht werden. Die Gewässer bieten guten Fisch. Angefangen von der Plötze oder der Rotfeder über den Blei bis zur Schleie und den Karpfen kann er hier alle heimischen Friedfischarten fangen. An Raubfischen sind Barsch, Hecht, Zander und Wels vertreten. Da wir ja über Nacht in der Wildnis bleiben möchten, sitzen wir bis in die frühen Morgenstunden auf Aal an. Als willkommener Beifang gesellt sich auch gelegentlich eine Quappe hinzu.
Anderntags können wir mit (hoffentlich) guter Beute zurück paddeln. Nun wird sich zeigen, ob wir die Karte auch richtig gelesen haben, denn mit nach dem Weg fragen ist hier nicht. Oftmals sieht man stundenlang keinen Menschen. Denken wir positiv und gelangen wohlbehalten am Bootshaus an, um das Boot wieder zurück zu geben.
Zum Abschluss unserer Wochenendreise können wir noch einen Abstecher in die unweit gelegenen Großstädte Cottbus oder Berlin unternehmen. Wie heißt es doch so schön: Berlin ist immer eine Reise wert.